Das Engadinerschaf – ein Schaf mit Geschichte

Die Ostalpen wurden seit dem späten Mittelalter von italienischen Schäfern genutzt. Ihre Bergamaskerschafe hielten sich über den Sommer in grosser Anzahl auch im Kanton Graubünden und im Südtirol auf. Immer wieder vermischten sich die grossen Bergamaskertypen mit den angestammten Steinschaf-Typen – zuerst im Südtirol, später auch im Unterengadin, als die die Tiroler Hirten ihre Tiere für die Sömmerung über den Ofenpass führten. Daraus entwickelte sich ein Schlag, der sich besonders an die harten Anforderungen der Berge anpasste.

Schon damals wurden die Schafe als grossrahmige, mischwollige Tiere mit Ramskopf und Hängeohren beschrieben, die sich durch eine ausgeprägte Fruchtbarkeit auszeichneten. Auch ihre widerstandsfähigen Klauen und die Trittsicherheit im Gebirge wurden speziell hervorgehoben.

Das Engadinerschaf fiel auch der Rassenbereinigung um Mitte des 20. Jahrhunderts zum Opfer, als es sich wirtschaftlich lohnte, Tiere mit einer besseren Fleischleistung zu halten. Heute sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anders.

Im Rahmen der Rassenerhaltungsprogramme von ProSpecieRara wurde die letzten Exemplare des fuchsfarbenen Engadinerschafes, welches seiner braunen „Kutte“ wegen auch romanisch „besch da pader“ (Pater-Schaf) genannt wird, gezielt gefördert. 1992 wurde der Schweizerische Engadinerschaf-Zuchtverein (SEZ) gegründet. Mittlerweile ist der Bestand auf über 3000 Herdebuchtiere angewachsen, Tendenz steigend. Die Zahl der rassereinen Engadinerschafe (auch solche ohne Abstammungsnachweis) wird auf rund 10’000 Tiere geschätzt.